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Donnerstag 25 Februar 2010 - 08:39 Uhr  |  Aus dem Ressort

Alle U-Bahnhöfe auf dem Prüfstand NRZ

Manfred Neuenhaus (FDP) erinnerte daran, dass vor dem Einsturz des Stadtarchives in Köln es Warnungen von Experten gab. Seine Frage: „Gibt es auch hier Warnungen von Fachleuten.” Antwort von Bonin: Bis jetzt nicht!

 

 

 

Alle U-Bahnhöfe auf dem Prüfstand

Düsseldorf, 25.02.2010, Michael Mücke

 

Düsseldorf. lEinen Tag nach der Strafanzeige der Stadt wegen Pfuschs an Schlitzwänden der Wehrhahnlinie schlägt der U-Bahn-Skandal weitere Wellen. Jetzt steht das gesamte, fast sieben Kilometer lange U-Bahn-Netz auf dem Prüfstand.

 

 Die Bezirksregierung hat eine landesweite Untersuchung aller Düsseldorfer U-Bahn-Bauten angeordnet. Außerdem entzog der Regierungspräsident der Stadt die Kontrolle. Die technische Aufsicht hat nun die Bezirksregierung. Die Staatsanwaltschaft hat ein Sonderdezernat eingesetzt, um zu prüfen, ob Strafverfahren eingeleitet werden müssen. Gestern früh sorgte Bürgermeisterin Gudrun Hock (SPD) für zusätzliche Aufregung. Sie forderte in einem Interview mit der Bild-Zeitung einen Baustopp für die Wehrhahnlinie.

 

„Auf NRZ-Anfrage relativierte sie am Abend ihre Aussage. Nach einem Gespräch mit Bauexperten müsse der Start der Tunnelbohrmaschine am Montag doch nicht verzögert werden. Am Montag, pünktlich um elf Uhr, startet in Bilk der Bau der 3,4 Kilometer langen Tunnelröhre. Hock: „Ich persönlich hätte aber noch einige Tage gewartet. Das ist doch eine riesige Verantwortung, die der Oberbürgermeister zu tragen hat.”

 

Die SPD auf Schlingerkurs? Fraktionschef Markus Raub bemüht sich um Klarheit. „Ein Baustopp ist nicht notwendig!”, ließ er mitteilen. Was die Sicherheit betrifft, sei nichts zu befürchten. Er begrüßte die frühzeitige Information durch die Verwaltung.

Bei Norbert Czerwinski (Grüne) bleibt „gewisse Skepsis”. Wieso habe die Stadt nicht früher konkret nach Protokoll-Fälschungen geschaut? Frank Laubenburg (Die Linke) beklagt, dass die Bauaufsicht wiederholt gefälschte Messprotokolle abgezeichnet habe. Dafür trage Baudezernent Gregor Bonin die „politische Verantwortung”. Laubenburg fordert: Baustopp!

 

Rückendeckung dagegen von der CDU: „Es gibt keinen Grund zur Besorgnis. Die Schlitzwände liegen noch im Erdreich”, betont Andreas Hartnigk (CDU). Spannend werde es erst beim Erdaushub - zuerst auf dem Kirchplatz im Herbst. Dort werde Vorsorge getroffen, versicherte Projektleiter Gerd Wittkötter dem Verkehrsausschuss. Sobald die ersten Meter freigelegt sind, werden die Schlitzwände, die die Baugrube sichern, inspiziert. Künftige Arbeiten an den Lamellen werden mit Foto- oder Videokamera festgehalten. Außerdem werde eine eine 24-Stunden-Kontrolle auf Baustellen eingeführt.

 

Manfred Neuenhaus (FDP) erinnerte daran, dass vor dem Einsturz des Stadtarchives in Köln es Warnungen von Experten gab. Seine Frage: „Gibt es auch hier Warnungen von Fachleuten.” Antwort von Bonin: Bis jetzt nicht!

 

Die Anschuldigungen gegen zwei Poliere werden bei der Staatsanwaltschaft Uwe Kessel und Andreas Stüve kümmern bewerten, die als Sonderdezenenten eingesetzt wurden. Der Verdacht: falsche Protokolle, Schlamperei: fehlende Eisenbügel in Bewehrungskörben, zu wenig Beton in einigen Schlitzwänden.

 

Die Bezirksregierung wird darüber hinaus auch die früheren U-Bahn-Bauten unter die Lupe nehmen und die alten Baubücher einsehen. „Wir prüfen, ob es Manipulationen gab”, so Sprecher Bernd Hamacher. Dass die Bezirksregierung außerdem die technische Aufsicht über die Wehrhahnlinie übernommen hat, sei „keine Kritik an die Stadt”, betonte Hamacher. Vielmehr gehe es um eine saubere förmliche Trennung zwischen Bauherr und Bauaufsicht. Darauf hatten sich gestern Regierungspräsident Jürgen Büssow und Verkehrsminister Lutz Lienenkämper bei einem Treffen verständigt.



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Neuenhaus, U-Bahnbau