Pfarrer fordert im Gottesdienst Hochbahnsteige für Oberkassel
Findet zwar auch Manfred Neuenhaus, FDP- Fraktionsvorsitzender, für den der Grundsatz gilt, dass Fahrgästen ermöglicht werden muss, vernünftig ein- und auszusteigen. Aber: „Ich werde den Teufel tun, mich dort mit der Bezirksvertretung anzulegen. Die sollen sagen, was sie wollen. Die Luegallee ist die gute Stube von Oberkassel.“ NRZ
Düsseldorf. Pfarrer Michael Dederichs ist ein Mann, auf den man in Oberkassel hört. In einem Familiengottesdienst hat er sich in die Lokalpolitik eingemischt und aus Sicherheitsgründen Hochbahnsteige für Oberkassel gefordert. Die Politik fürchtet um das Stadtbild an der Luegallee.
Und wenn der Pfarrer ein lokalpolitisch brisantes Thema nicht nur aufgreift, sondern beim Familiengottesdienst in der Antoniuskirche am Barbarossaplatz dazu aufruft, Partei zu ergreifen und sich nach dem Gebet in die Unterschriftenlisten für Hochbahnsteige in Oberkassel einzutragen, dann fragt man sich schon, warum Dederichs sich so eindeutig festgelegt hat. Die Rheinbahn wird ein Dankes-Stoßgebet Richtung St. Antonius machen. Doch die Politik ist in diesem Punkt gespalten. In der Bezirksvertretung fürchtet man, dass Hochbahnsteige das typische Bild der Luegallee zerstören und den Autoverkehr abbremsen könnten.
„Das ist ein
kinderreicher Stadtteil“
Der Pfarrer sorgt sich um etwas ganz anderes: „Oberkassel ist ein kinderreicher Stadtteil. Wir hatten im letzten Jahr 90 Taufen. Wir müssen Müttern mit Kinderwagen und Gehbehinderten die Möglichkeit geben, dass sie auch auf der Luegallee ungehindert mit der Stadtbahn fahren können. Deshalb bin ich für die Hochbahnsteige.“
Da mag keiner widersprechen. Auch nicht Alexander Fils, Stadtplanungsexperte der CDU-Fraktion und „grundsätzlicher Gegner“ von Hochbahnsteigen. „Die sind eine städtebauliche Sünde“, wettert er. Aber leider müsse er die hochgesetzten Haltepunkte akzeptieren, weil in Düsseldorf sich eine Niederflur-U-Bahn (wie künftig bei der Wehrhahnlinie) „auf absehbare Zeit“ nicht für das ganze Streckennetz durchsetzen lässt. „Ich hätte es gerne so, aber es ist eine Utopie“, so Fils.
Hochbahnsteige am Barbarossa- und Belsenpatz kann er sich derzeit nicht vorstellen. „Wir brauchen eine ästhetisch verträgliche Lösung.“ Sein Rat: „Abwarten. Nichts überstürzen. Das muss sorgfältig durchdacht sein.“ In diesem Punkt stimmt Parteikollege Andreas Hartnigk zu, selbst Befürworter von Hochbahnsteigen. „Die beiden Plätze sind hochproblematisch. Wir wissen noch nicht, wie das funktionieren soll.“ Die Bahnsteige sind durch die Rampen viel länger und wegen des Querverkehrs durch Autofahrer dort so nicht realisierbar.
Einzige Ausnahme: der Luegplatz. Dort ist genug Platz. Der Umbau der Haltestelle hat schon wegen der Großen Kirmes Vorrang. Die Arbeiten sollen so schnell wie möglich beginnen. Hartnigk: „Dort wollen wir Gas geben.“.
“Ich werde den
Teufel tun“
Findet zwar auch Manfred Neuenhaus, FDP- Fraktionsgeschäftsführer, für den der Grundsatz gilt, dass Fahrgästen ermöglicht werden muss, vernünftig ein- und auszusteigen. Aber: „Ich werde den Teufel tun, mich dort mit der Bezirksvertretung anzulegen. Die sollen sagen, was sie wollen. Die Luegallee ist die gute Stube von Oberkassel.“
Bezirksvorsteher Rolf Tups glaubt nicht, dass Hochbahnsteige auf dem Luegplatz auf großen Widerstand stoßen werden. Bei den anderen beiden Plätzen sei die Umsetzung dagegen „sehr schwierig“. Die Stadtteilpolitiker werden das Fällen von alten Platanen auf der Luegallee wohl ebenso ablehnen wie die Wegnahme einer Fahr- oder Parkspur, nur weil mehr Platz für die Haltestelle benötigt werde. Tups: „So einfach geht das alles nicht.“ Gesucht wird ein Oberkasseler Modell. Mitunter mit abgesenktem Gleisbett, ein oder zwei Nummern kleiner, filigran .„Vielleicht“ , so Tups, gelingt es uns, einen schönen Hochbahnsteig zu bauen.“<ld pattern=" "></ld> <autorenkuerzel>M.M.</autorenkuerzel>
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