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Donnerstag 15 Juli 2010 - 17:16 Uhr  |  Aus dem Ressort

Kooperation von fünf Schulen mit dem EVK-Hospiz

Grund dafür ist auch das Engagement von FDP-Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Der Tod ist etwas Abstraktes geworden“, glaubt die Politikerin. „Viele Jugendliche kennen ihn nur aus dem Fernsehen.“

 

WZ vom 14.07.2010

Schülerpraktikum bei den Sterbenden

Der Tod gehört zum Leben – wird aber allzu gern verdrängt. Das EVK-Hospiz setzt auf offenen Umgang.


„Die aus meiner Klasse meinten: Willst du das wirklich machen, du wirst doch depressiv.“ Hannah Pütz (17) machte es wirklich und war für drei Wochen Schülerpraktikantin im Hospiz des Evangelischen Krankenhauses (EVK). Depressiv wurde sie nicht. Obwohl sie dem Tod nah war.


„Ich bin mit Angst ins Hospiz gekommen“, gibt die Elftklässlerin zu. „Aber es war gar nicht traurig, sondern bunt und fröhlich.“ Von Anfang an betreute sie eine ältere Frau, las ihr vor, brachte ihr das Essen. In der dritten Woche von Hannahs Praktikum starb die Frau. „Ich wollte sie noch mal sehen und mich verabschieden,“ erzählt die 17jährige. Und obwohl sie noch nie zuvor einen toten Menschen gesehen hatte, war sie nicht geschockt, sondern erleichtert. „Sie hatte schlimme Schmerzen gehabt und war jetzt befreit. Das war eine wichtige Erfahrung, dass der Tod nicht traurig machen muss.“


Hannah war im EVK-Hospiz sozusagen Pionierin. Inzwischen gab es eine zweite Schülerpraktikantin, im August fängt mit Fabian Haupt der erste Zivi an. Das Haus öffnet sich speziell der Jugend. Grund dafür ist auch das Engagement von FDP-Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die seit Herbst 2009 offizielle Verbündete des Hospizes ist.


Fünf Schulen kooperieren bereits mit dem EVK-Hospiz

„Der Tod ist etwas „Abstraktes geworden“, glaubt die Politikerin. „Viele Jugendliche kennen ihn nur aus dem Fernsehen“. Es sei wichtig, solche gesellschaftlichen Themen stärker in die Schulen zu tragen. Der Anfang wurde gemacht mit einem Vortrag von Hospiz-Leiterin Susanne Hirsmüller an der Rudolf-Steiner-Schule – nachdem sich Hannah Pütz zu ihrem Praktikum entschloss. Es folgten Marie-Curie- und Suitbertus-Gymnasium, St. Ursula und Cecilien-Gymnasium wollen auch mitmachen.


Auch viele von Fabian Haupts Mitschülern wussten gar nicht, was Hospiz überhaupt ist. Der Abiturient des Görres-Gymnasiums freut sich dennoch auf den Zivildienst. „Ich möchte die Angst vor dem Tod überwinden“, erklärt er. Aber auch Susanne Hirsmüller freut sich für ihre Einrichtung: Fast alle Ehrenamtler im Hospiz sind Frauen. Mit Fabian wird der chronische Männermangel jetzt beendet.



NRZ 14.07.2010

Ein sehr lebendiges Thema

Das Hospiz am EVK startete ein ungewöhnliches Projekt: Schüler setzen sich mit den Themen Sterben und Tod auseinander


Aus der Furcht vor einem scheinbar gruseligen Thema entwickelten sich schnell ein lebendiges Interesse und intensive Diskussionen. Das ist das erste Ergebnis eines Schulprojektes, welches das Hospiz am Evangelischen Krankenhaus (EVK) gemeinsam mit Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ins Leben gerufen hat. „Es macht Sinn, jungen Menschen die Tabu-Themen Tod und Sterben näher zu bringen“, so Strack-Zimmermann, die das Hospiz unterstützt.


So entstanden Kontakte zur Rudolf-Steiner-Schule sowie Marie-Curie-, St. Ursula und Suitbertus-Gymnasium. Hospizleiterin Susanne Hirsmüller hielt Vorträge vor Schülern, Eltern und Lehrern, berichtete von ihrer täglichen Arbeit. „Zu Beginn habe ich in viele ängstliche Gesichter geschaut. Doch am Ende gab es an allen Schulen unglaublich facettenreiche Diskussionen. Unserer Initiative hat sich gelohnt, wir werden sie in elften und zwölften Klassen fortführen“, so Susanne Hirsmüller.


Viele positive Momente

Unter anderem ist an der Rudolf-Steiner-Schule ein Kunstprojekt zum Thema Sterben mit Gedichten, Musik und Bildern entstanden. Zwei Schülerinnen haben mittlerweile dreiwöchige Praktika im Hospiz absolviert. Und dank der Initiative tritt mit Fabian Haupt im August der erste Zivi in der Einrichtung des EVK seinen Dienst an. „Als ich davon hörte, hier meinen Zivildienst machen zu können, musste ich: „Das ist mein Weg! Es ist garantiert eine wertvolle Erfahrung. Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten“, ist sich Haupt sicher.


Hannah Pütz ist 17 Jahre alt und besucht die elfte Klasse der Rudolf-Steiner-Schule. Sie war als Praktikantin drei Wochen lang im Hospiz, hat mit den Patienten gelacht, ihnen zugehört, das Frühstück gebracht und ihre Zimmer aufgeräumt. „Wichtig war zu erleben, dass es auch bunte und positive Momente gab. Diese Zeit war eine echte Bereicherung für mich“, sagt Hannah.


Das Hospiz am EVK, das 1994 gegründet wurde, hat 13 Betten und einen ambulanten Pflegedienst für Schwerstkranke. Neben dem Team um Ursula Hirsmüller unterstützen 54 Ehrenamtliche die Hospizarbeit.



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